Wenn der Brexit kommt – Was passiert auf dem Arbeitsmarkt?

22. Februar, 2016

EU-Austritt Großbritanniens – Was passiert mit dem Arbeitsmarkt?

Der Arbeitsmarkt in Großbritannien floriert. Und das hat unmittelbare Auswirkung auch auf den europäischen Arbeitsmarkt insgesamt. Mehr als 2 Mio. Menschen arbeiten aus der EU derzeit im Vereinigten Königreich. Das sind etwa zwei Drittel aller in Großbritannien arbeitenden Ausländer.

Was wäre, wenn…

Der britische Finanzmarkt und die EU

Eine der treibenden Kräfte für die britische Wirtschaft ist der Finanz-Sektor. Hier sind vor allem im höheren Management überdurchschnittlich viele Nicht-Briten beschäftigt. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte spürbare Auswirkungen.

Zum einen bedeutet das: Arbeitsverträge, die bisher auf der Öffnung des britischen Arbeitsmarkts von 2004 auf EU-Rechtsbasis galten, müssen neu verhandelt werden. Im Vorfeld müssen Unternehmen und Expats vor allem mit neuen, national gültigen Gesetzen rechnen.

Neben den Handelsschwierigkeiten, die der wegfallende Binnenhandel mit der EU verursachen würde, ist die Neufassung der Beschäftigungsgrundlage die andere Hürde, die Briten und ausländische Arbeitnehmer nach einem EU-Austritt nehmen müssten. Unternehmen, die Expats in Großbritannien beschäftigen, müssen die aktuellen Entwicklungen aufmerksamer verfolgen, um rechtzeitig in ihren Verträgen reagieren zu können.

Wahrscheinlich wären Übergangsregelungen. Aber auch die müssen genau beachtet werden. Denn hier spielen eingehaltene bzw. nicht eingehaltene Fristen eine große Rolle.


Der europäische Arbeitsmarkt

Natürlich ist nicht nur eine einzelne Branche von den möglichen Folgen eines „Brexit“ betroffen. Das auf Freizügigkeit basierende Arbeitsmarkt-Konzept der EU insgesamt wäre in Schieflage.

Bislang zeigen die die von David Cameron ausgehandelten Kompromisse mit der EU, dass es wohl hauptsächlich um eine Sicherung der Sozial-Strukturen geht.

Die Kompromisse gelten jedoch nur, wenn Großbritannien in der EU bleibt. Kritiker wollen weiterhin erreichen, dass durch einen EU-Austritt neben der Kürzung von Sozialleistungen vor allem auch die Freizügigkeit innerhalb der EU eingeschränkt wird. Sie ist jedoch von den jüngsten Verhandlungen nicht betroffen.

Ein EU-Austritt würde es auch nötig machen, weite Teile des Binnen-Arbeitsmarkts gesetzlich neu zu regeln. Vor allem der Zuzug und die Arbeitsfreigabe basieren derzeit wesentlich auf EU-Recht. Und dieses würde dann ungültig werden und durch nationale Gesetze ersetzt werden müssen.

Die Briten wollen Mitte des Jahres in einem Referendum entscheiden, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht.



Bildquelle:
fotolia:
#101723045 | Urheber: Eisenhans