Leben und Arbeiten in Tianjin

Tianjin – regierungsunmittelbare Hafenstadt in der Volksrepublik China

Tianjin gilt neben Peking (etwa 120 km entfernt), Shanghai und Chongqing als eine der vier regierungsunmittelbaren Städte. Das bedeutet, dass sich Tianjin in der Verwaltung auf gleicher Ebene befindet wie Provinzen oder autonome Gebiete. Die Stadt untersteht damit direkt der chinesischen Zentralregierung.

Tianjin liegt im Norden Chinas, etwa 70 km von der Bohai-Bucht im Gelben Meer entfernt. Der aus Peking kommende Fluss Hai He und die weltweit längste künstliche Wasserstraße, der Kaiserkanal, fließen hier zusammen. Der Kaiserkanal verbindet den Norden des Landes mit dem fruchtbaren Gebiet um die Mündung des Jangtsekiang. Als über 2.000 Jahre altes Meisterwerk der Wasserbaukunst gehört seit 2014 zum UNESCO Welterbe der Menschheit.

Das ursprüngliche kleine Fischerdorf entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer modernen Handelsmetropole. Dabei diente Tianjin als Getreidelager für den kaiserlichen Hof, als Militärstützpunkt und Festung für Peking. Heute befindet sich hier einer der größten Häfen Chinas für den Außenhandel und macht Tianjin somit zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt für den Import und Export von Gütern.

In der Nähe von Tianjin entsteht seit den 1980er Jahren die Sonderwirtschaftszone TEDA – Tianjin Economic and Technological Development Area. Mehrere tausend Unternehmen haben hier inzwischen investiert, darunter auch weltweit agierende Konzerne wie General Electric, Motorola, Nestle oder Toyota. Auch deutsche Unternehmen haben hier Niederlassungen, so zum Beispiel Siemens, Continental, Volkswagen und Airbus. In der Stadt befindet sich zudem das nationale Supercomputerzentrum, das bereits zweimal den leistungsstärksten Supercomputer der Welt hervorbrachte.

Tianjin bildet zusammen mit Peking und der Provinz Hebei einen wichtigen Standort für Kommunikation und Technologie in China. Die Regierungen der Region arbeiten an einem Plan, der durch Umsiedelungen von Industrieunternehmen und Neubauten von beispielsweise spezialisierten Kliniken oder schnelleren Intercity-Verbindungen gleich mehrere Probleme (unter anderem Umweltbelastungen, Transportprobleme und Druck auf die Infrastruktur) lösen soll.


Leben in Tianjin

Trotz der küstennahen Lage ist das Klima in Tianjin gemäßigt und kontinental. Das beschert den Einwohnern feuchte und warme Sommer sowie trockene und kalte Winter. Der Juli ist mit bis zu 35 °C der wärmste Monat des Jahres und der Januar der kälteste. Weht im Winter ein eisiger Wind von der Inneren Mongolei her, so liegen die Temperaturen bei frostigen -20 °C.

Den neu nach Tianjin kommenden Expats wird empfohlen, sich zunächst in einem so genannten Serviced Apartment einzumieten. Diese sind vollmöbliert und bieten ihren Mietern zusätzliche Dienstleistungen wie Reinigung der Zimmer und Wechsel von Bettwäsche und Handtüchern, Parkplatz und Pförtnertätigkeiten.

Wird dann eine eigene Wohnung bezogen, so ist eine polizeiliche Registrierung innerhalb von maximal 72 Stunden dringend anzuraten, da sonst für jeden verstreichenden Tag Strafgebühren anfallen. Hierbei sollten Vermieter und Makler in der Regel helfen. Wichtige Dokumente sind:

  • Beichaka – Aufenthalts- bzw. Zuzugsgenehmigung
  • Fapiao – Rechnung oder Beleg der Mietzahlung
    In China werden zwei Fapiao unterschieden: allgemeine Rechnungen und spezielle Mehrwertsteuerrechnungen. Die chinesische Regierung benutzt diese, um zu überprüfen, welche Steuern bei einer Transaktion anfielen.

Arbeiten in Tianjin

Das Rentenalter wird in China gesetzlich geregelt:

  • arbeiten bis zum 50. Lebensjahr: Arbeitnehmerinnen
  • arbeiten bis zum 55. Lebensjahr: weibliche Beamte
  • arbeiten bis zum 60. Lebensjahr: männliche Arbeitnehmer und Beamte

Diskriminierung gegenüber Frauen ist in China noch immer der Regelfall und in ländlichen Gebieten stärker ausgeprägt als in Städten. So verdienen Frauen bei gleicher Bildung und Position noch immer wesentlich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Das Sozialversicherungssystem in China umfasst neben Krankenversicherung und Arbeitslosigkeitsabsicherung auch Mutterschaft, arbeitsbedingte Unfälle und Rente. Es ist jedoch nicht jeder in China über dieses System versichert.


Branchen und Berufe

Arbeiten in Tianjin ist auf unterschiedliche Arten möglich. International agierende Unternehmen können ihre Arbeitnehmer entsenden. Interessierte können sich jedoch auch direkt bei einem der in Tianjin ansässigen Unternehmen bewerben. Personal wird vor allem in diesen Bereichen gesucht:

  • Import und Export von Gütern
  • Kommunikation
  • chemische Produktion
  • Herstellung von elektronischen Geräten
  • Stahlindustrie
  • Textilindustrie
  • Fahrzeug- und Maschinenbau
  • Verarbeitung von Erdöl
  • Medizin

Um nach entsprechenden freien Stellen zu suchen, bieten sich zum Beispiel folgende Online-Jobbörsen an:

  • Jobbörse der Tianjin Expats
  • SinoJobs – European-Chinese Job Portal
  • Job Market – German Chamber Network Greater China

Ansprechpartner für Industrie und Handel

Ansprechpartner für die Suche nach einer Arbeit in Tianjin können zudem auch diese Institutionen sein:

  • AHK – Delegation of German Industry and Commerce
  • Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Peking
  • Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Chengdu, Honkong, Guanghou, Shanghai oder Shenyang
  • Botschaft der Volksrepublik China in Berlin (Außenstelle in Bonn)
  • Generalkonsulat der Volksrepublik China in Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg oder München