Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland

Ein beruflicher Aufenthalt im Ausland hat einen ganz besonderen Reiz. Neue Länder und Kulturen lassen sich kennen lernen und gleichzeitig auch noch jede Menge Erfahrungen und Kompetenzen sammeln. Vor, während und nach dem Aufenthalt im Ausland gibt es jedoch eine ganze Menge zu planen, zu organisieren und zu berücksichtigen. Ein äußerst wichtiger Punkt ist die Klärung der Sozialversicherungspflicht während des Auslandsaufenthaltes. Besonderes Augenmerk sollte dabei immer auch der Pflegeversicherung gelten.


Grundsätzliches zur Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung stellt den jüngsten Zweig der Sozialversicherung in Deutschland dar und wurde 1995 eingeführt. Seitdem gilt eine Versicherungspflicht für alle Krankenversicherten – sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung. Wer in Deutschland krankenversichert ist, ist somit auch pflegeversichert.

Der Grundsatz „Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung“ gilt dabei auch im Ausland, sofern der Versicherte weiterhin in Deutschland (sozial-)versichert bleibt. Ob dies der Fall ist, hängt von verschiedenen Kriterien ab.


Pflegeversicherungspflicht beim Arbeiten im Ausland im Rahmen einer Entsendung

Aufgrund der engen Verknüpfung ist es zur Klärung der Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland notwendig, die Sozialversicherungspflicht während dieser Zeitspanne zu klären.

Grundsätzlich gilt für die Sozialversicherung beim Arbeiten im Ausland, das sogenannte Territorialprinzip. Das bedeutet, dass jede Person den im Arbeitsland geltenden Regeln, Gesetzen und Verordnungen zur Sozialversicherungspflicht unterliegt. Gleichzeitig kann die betreffende Person auch im Heimatland noch der Sozialversicherungspflicht unterliegen. Dies ist im Falle einer sogenannten Entsendung der Fall. Eine Entsendung liegt vor allem immer dann vor, wenn:

  1. Der Arbeitsaufenthalt im Ausland im Rahmen eines in Deutschland bestehenden sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses erfolgt – der Arbeitnehmer also im Auftrag seines Auftraggebers im Ausland tätig ist
  2. Der Arbeitnehmer auch im Ausland weiterhin an Weisungen des Arbeitgebers gebunden ist
  3. Der Aufenthalt von vornherein zeitlich per Vertrag befristet ist (die genau maximale Aufenthaltsdauer kann je nach Zielland variieren)

Sind diese Kriterien erfüllt, sind die Voraussetzungen für eine Entsendung gegeben. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer auch während seines Aufenthaltes im Ausland in Deutschland sozialversicherungspflichtig bleibt. Damit unterliegt er automatisch auch der Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland.

Aufgrund des Territorialprinzips hat eine eventuelle Sozialversicherungspflicht in Deutschland keinen Einfluss darauf, ob auch im Zielland Sozialversicherungspflicht nach den dort geltenden Gesetzen gilt. Es kann daher zu einer Doppelversicherung kommen. Um diesen Fall zu vermeiden, hat Deutschland mit zahlreichen Staaten Sozialversicherungsabkommen geschlossen – allerdings nicht mit allen. Unter den Staaten der Europäischen Wirtschaftszone gelten ebenfalls entsprechende Abkommen, um die Sozialversicherungspflicht zu regeln und Doppelversicherung zu vermeiden.


Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland ohne Entsendung – Ausnahmevereinbarung

Sind die Voraussetzungen für eine Entsendung nicht gegeben, besteht während des Aufenthaltes im Ausland auch keine Sozialversicherungspflicht in Deutschland. Damit besteht jedoch auch kein Sozialversicherungsschutz während des Aufenthaltes im Ausland. Um dies zu vermeiden, besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf eine Ausnahmevereinbarung zu stellen. Stimmen alle beteiligten Stellen im In- und Ausland dem Antrag zu, kann der Sozialversicherungsschutz in Deutschland aufrechterhalten werden.

Kommt diese Möglichkeit nicht in Betracht, unterliegt der Betroffene ausschließlich der im Zielland gelten Sozialversicherungspflicht. Je nach Zielland weicht das Sozialversicherungssystem und damit auch der Versicherungsschutz mitunter extrem von den deutschen Standards ab. Es ist daher auf jeden Fall angeraten, sich privat abzusichern. Im Bereich der Krankenversicherung etwa über eine Auslandskrankenversicherung.

Speziell für die Pflegeversicherung bietet sich eine andere Option an. In diesem Fall besteht nämlich die Möglichkeit, die Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland in Deutschland freiwillig weiterzuführen. Möchte die betreffende Person nicht vollständig auswandern und plant eine Rückkehr nach Deutschland zu einem späteren Zeitpunkt, ist diese Möglichkeit durchaus sinnvoll. Durch die freiwillige Fortsetzung der Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland werden diese freiwilligen Beitragszeiten nämlich auf die Versicherungszeit angerechnet. Auf diese Weise lassen sich Vorversicherungszeiten sicherstellen, die je nach Leistung im Bedarfsfall notwendig sein können.

Die Möglichkeit zur freiwilligen Fortsetzung der Pflegeversicherung haben alle gesetzlich und freiwillig gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherten.


Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland für Privatversicherte

Analog zu gesetzlich oder freiwillig gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherten sind auch Privatversicherte pflegeversicherungspflichtig. Allerdings nicht in der gesetzlichen, sondern in der privaten Pflegeversicherung. Ähnlich wie bei der gesetzlichen Krankenkasse gilt also auch bei einer privaten Krankenversicherung, dass ein Versicherungsschutz in der – privaten –Pflegeversicherung gegeben ist, solange der private Krankenversicherungsschutz besteht. Findet eine Entsendung ins europäische Ausland statt, ist dies bei den meisten privaten Krankenversicherung abgesichert. In diesem Fall ist also auch die Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland sichergestellt. Etwas anders kann es sich beim Arbeiten im außereuropäischen Ausland verhalten. In diesem Fall können Vertragsanpassung notwendig werden.


In jedem Fall individuell beraten lassen

Sowohl gesetzlich, wie auch freiwillig gesetzlich oder privat Krankenversicherte sollten sich in jedem Fall vor einem Auslandsaufenthalt umfassend und vor allem individuell zur Sozial-, Kranken- und Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland beraten lassen. Wichtig ist es dabei immer, im Einzelfall zu klären:

  • Wo und in welchem Umfang Sozialversicherungspflicht besteht
  • Welcher Versicherungsschutz sich daraus ergibt
  • In welchen Bereichen sich Lücken im Versicherungsschutz ergeben
  • Welche Auswirkungen eine Doppelversicherung haben kann
  • Welcher zusätzliche Versicherungsschutz im Ausland sinnvoll oder notwendig ist
  • Ob es sinnvoll und möglich ist, die Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland freiwillig fortzuführen

Abhängig von den Ergebnissen einer solchen Beratung kann es sinnvoll und notwendig sein, Lücken im Versicherungsschutz mit geeigneten privaten Versicherungsangeboten passgenau zu schließen. Auf diese Weise lässt sich auch der bestehende Versicherungsschutz in vielen Fällen sinnvoll ergänzen.

Wichtig ist auf jeden Fall auch immer, die Gesamt-Versicherungssituation zu betrachten. Gerade im Fall der Pflegeversicherung beim Arbeiten im Ausland sind die unterschiedlichen Bereiche der Sozialversicherung eng miteinander verknüpft und abhängig von der allgemeinen Sozialversicherungssituation. Wegen der Komplexität sollte eine individuelle Beratung dabei in jedem Fall möglichst frühzeitig erfolgen.